Konflikte

Wenn einer aus der Reihe tanzt

Von am 01.06.2026

Ein Quertreiber im Projektteam kann den Ablauf ordentlich durcheinanderbringen. Oft hilft es, offen zu sprechen, klare Regeln zu setzen und Verantwortung zu übertragen. Bleibt der Ärger, müssen Eskalation oder Konsequenzen her. Wichtig ist: Teamarbeit klappt nur, wenn alle am gleichen Strang ziehen – es geht ums gemeinsame Ziel, nicht um Machtspielchen.

Chris F. schlägt sich in seinem Projekt seit geraumer Zeit mit einem Mitarbeiter herum, der immer wieder durch Widerstand auffällt. Entscheidungen, die im Team getroffen wurden, stellt er regelmäßig infrage und verlängert damit Diskussionen erheblich. Vorschläge werden kritisiert, doch konstruktive Alternativen fehlen meist – das frustriert nicht nur Chris F., sondern auch die Kollegen im Team. Vereinbarte Absprachen werden nicht konsequent eingehalten; stattdessen verfolgt der Mitarbeiter eigene Prioritäten, die oft nicht mit den Projektzielen übereinstimmen. Chris F. bekommt die Bremswirkung immer deutlicher zu spüren, da die Konflikte mit dem Mitarbeiter Zeit und Energie kosten.

Wenn Quertreibern im Projekt nicht rechtzeitig Grenzen gesetzt werden, kann das den gesamten Ablauf eines Projektes massiv stören. Diskussionen ziehen sich unnötig in die Länge, Entscheidungen werden wiederholt infrage gestellt und vereinbarte Absprachen häufig ignoriert. Dadurch entsteht nicht nur Unsicherheit im Team, sondern auch die Motivation sinkt. Schnell können eigenmächtige Prioritäten einzelner Teammitglieder dazu führen, dass die Projektziele aus dem Blick geraten und wichtige Meilensteine verpasst werden.

Teamarbeit funktioniert nur dann, wenn alle an einem Strang ziehen. Wenn einer querschießt und ständig blockiert, ist das für niemanden hilfreich. Ohne konsequentes Eingreifen steht schnell der Projekterfolg auf dem Spiel.

Foto: Patricio González auf Pixabay

Das Gespräch suchen

Der erste Schritt im Umgang mit einem Quertreiber klingt simpel, ist aber oft gar nicht so leicht: das Gespräch suchen. Dabei geht es nicht darum, Vorwürfe zu machen oder in einen Konfrontationskurs zu gehen, sondern offen nachzufragen: Was steckt hinter dem Verhalten? Häufig steckt Frust, Unsicherheit oder das Gefühl dahinter, übergangen zu werden. Vielleicht sorgt auch Angst vor Veränderungen oder generelle Unzufriedenheit für die Blockade.

Je früher man diese Punkte anspricht, desto schneller lassen sich Lösungen finden und Missverständnisse aus dem Weg räumen. Ein ehrliches Gespräch zeigt, dass man die Sichtweise ernst nimmt und ermöglicht, dass der Quertreiber Verantwortung übernimmt, statt einfach nur zu blockieren.

Klare Grenzen aufzeigen

Manchmal hilft ein offenes Gespräch alleine nicht – dann heißt es: klare Grenzen setzen. Ein Quertreiber muss wissen, dass sein Verhalten das Team ausbremst und so nicht akzeptiert wird. Dabei geht es nicht darum, jemanden kleinzumachen oder Macht zu demonstrieren, sondern unmissverständlich zu zeigen, dass es Regeln gibt, an die sich alle halten müssen.

Als Projektleiter trägst Du die Verantwortung für den Ablauf. Klare Grenzen sorgen dafür, dass das Team nicht unter destruktivem Verhalten leidet und das Projekt auf Kurs bleibt. So lassen sich Konflikte reduzieren und alle wissen, woran sie sind – ohne dass es zur Machtprobe wird. Grenzen setzen heißt also: Führung zeigen und gleichzeitig fair bleiben.

Den Quertreiber einbinden

Manchmal ist der beste Weg, mit einem Quertreiber umzugehen, ihn einfach einzubinden. Klingt erstmal paradox? Vielleicht, aber viele Menschen, die gern gegen den Strom schwimmen, tun sich schwer damit, Anweisungen zu folgen – fühlen sich aber wohl, wenn sie selbst Verantwortung übernehmen. Gib dem Quertreiber also eine klare, abgegrenzte Aufgabe und mach ihn für einen Teil des Projekts verantwortlich. Plötzlich wird aus einem Bremsklotz ein Mitgestalter: Er ist stärker im Team verankert, sieht den eigenen Beitrag und erkennt, dass sein Einsatz gebraucht wird. Gleichzeitig kann das Team seine Energie gezielt nutzen, statt sie gegen den Projektfluss arbeiten zu lassen. So entsteht ein konstruktiver Umgang und das Projekt profitiert, weil alle an einem Strang ziehen – sogar der bisher störrische Quertreiber.

Die Situation gezielt eskalieren

Manchmal hilft alles andere nicht – der Quertreiber blockiert weiter, Diskussionen ziehen sich endlos hin, Entscheidungen bleiben liegen. Dann kann es nötig sein, die Situation zu eskalieren. Keine Panik: Das heißt nicht, wegen jeder Kleinigkeit zur Chefin oder zum Chef zu rennen, sondern im angemessenen Rahmen auf eine Lösung zu drängen. Das Ziel ist klar: Du musst Dein Team schützen und deutlich machen, dass Du ein destruktives Verhalten nicht akzeptierst. Hier geht es weniger um Diplomatie und nett sein, sondern um ein unmissverständliches Signal: Der Projekterfolg steht an erster Stelle. Wer sich konsequent einbringt, kann zwar weiter diskutieren, wer aber dauerhaft blockiert, muss merken, dass es klare Konsequenzen gibt. So bleibt das Projekt auf Kurs und jeder weiß, woran er ist.

Den Quertreiber neutralisieren

Ein Quertreiber kann manchmal nur deshalb so viel Wirbel machen, weil man ihm den Raum gibt und er womöglich noch die Rückendeckung aus dem Team bekommt. Da hilft nur eines: das Team stärken, Präsenz zeigen und klar kommunizieren, wer hier das Projekt vorantreibt. Wenn alle verstehen, dass es um das gemeinsame Ziel geht und dass jeder seinen Teil beitragen muss, verliert der Quertreiber automatisch seinen Einfluss. Er merkt schnell, dass Blockieren nicht belohnt wird und dass das Team geschlossen hinter den Projektzielen steht. So wird er isoliert, ohne dass man ihn öffentlich bloßstellt. Statt Machtspiele zu führen, setzt man auf Transparenz, klare Strukturen und die Zusammenarbeit des gesamten Teams. Auf diese Weise kann das Projekt wieder Fahrt aufnehmen, und die disruptive Wirkung des Quertreibers verpufft – fast wie von selbst.

Und wenn das alles nichts bringt!?

Wenn alle bisherigen Maßnahmen nicht greifen und ein Quertreiber weiterhin das Projekt ausbremst, sind manchmal härtere Schritte nötig – nicht aus Frust, sondern um das Team und das Projekt zu schützen. Ein erster Ansatz ist die Eskalation an die nächsthöhere Ebene: Vorgesetzte oder die Personalabteilung einbinden, am besten mit dokumentierten Beispielen, um sachlich die Situation zu erklären. Wiederholte Verstöße können klare Konsequenzen nach sich ziehen, etwa Abmahnungen oder der Entzug von Verantwortlichkeiten, damit das Team merkt: destruktives Verhalten wird nicht toleriert.

Ist das nicht genug, kann die Versetzung in ein anderes Projekt helfen, wo die Fähigkeiten des Quertreibers sinnvoller eingesetzt werden. Wichtig dabei: Es geht nicht um Machtspiele oder ein „mein Weg oder keiner“. Teamarbeit funktioniert nur, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Wer ständig blockiert, schadet allen. Deshalb gilt: klare Signale, konsequentes Handeln – und trotzdem fair bleiben. So bleibt das Projekt auf Kurs, die Zusammenarbeit stabil und jeder weiß, woran er ist.

Survival-Tipps

  • Sprich den Quertreiber frühzeitig an – offen, ohne Vorwurf. Häufig steckt hinter dem Verhalten Unsicherheit oder Frust, den man gemeinsam klären kann.
  • Setze klare Regeln und Grenzen. Zeige respektvoll, dass destruktives Verhalten nicht akzeptiert wird und dass du als Projektleiter die Verantwortung trägst.
  • Binde den Quertreiber in konkrete Verantwortung ein. Eine klar definierte Aufgabe macht ihn zum Mitgestalter statt Blockierer und stärkt das Teamgefühl.
  • Handele nach dem AKV-Prinzip. Übertrage zusammen mit der Aufgabe auch die erforderlichen Kompetenzen und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten.
  • Eskaliere, wenn nötig, sachlich und dokumentiert. Bringt der Quertreiber das Projekt weiterhin in Gefahr, sollten Vorgesetzte oder HR involviert werden.
  • Zeige Präsenz, behalte die Kontrolle, und lass dich nicht aus der Ruhe bringen. Schließlich geht es um das Projektziel – und nicht darum, wer am lautesten ist.

Mario Neumann

Der Trainer und Autor schreibt seit 2021 in diesem Online-Magazin locker und pragmatisch über Projektmanagement. Für seine Arbeit wurde er schon mehrfach ausgezeichnet, zum Beispiel mit dem Internationalen Deutschen Trainingspreis und dem Weiterbildungs-Innovationspreis. Alle seine Bücher, Seminare und Vorträge findest Du auf marioneumann.com.