Führung

Hier trifft nur einer Entscheidungen

Podcast #83 vom 16.04.2021

Im Fußball treffen Schiedsrichter durchschnittlich 200 Entscheidungen pro Spiel, oft in Stress-Situationen. Und jede dieser Entscheidungen kann Einfluss auf das Endergebnis des Spiels nehmen. In dem Moment, in dem sie Entscheidungen treffen, greifen sie aktiv in den Prozess ein und ziehen die gesamte Aufmerksamkeit auf sich. Ich habe mit dem ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Knut Kircher im „Interview der Woche“ darüber gesprochen, warum für ihn Entscheidungsfreude, Deeskalationsstrategien und Kompetenz nicht nur im Fußballstadion wichtig sind.

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Wichtige Kernaussagen

  •  Der Druck, der auf Schiedsrichtern lastet ist oft riesig, zumal viele ihrer Entscheidungen in Sekunden getroffen werden müssen. Spätestens hier, beim Arbeiten unter hohem Druck und der Notwendigkeit, schnell entscheiden zu müssen, zeichnen sich erste Parallelen zur Arbeit von Führungskräften ab. Das Talent eines Schiedsrichters sind seine Werte wie Zuverlässigkeit, Verbindlichkeit und Berechenbarkeit.
  • Ein Schiedsrichter steht häufig zwischen den Fronten. Er muss innerhalb von Sekunden eine Entscheidung treffen, die unwiderruflich ist und im Zweifel über Sieg oder Niederlage einer Mannschaft entscheidet. Danach wird sie von aller Welt und den Medien analysiert und zerpflückt. Auch Entscheidungsträger in Unternehmen stehen schnell unter Beschuss, werden kritisiert und jeder glaubt, er wisse es besser.
  • Eine klare Entscheidung zu treffen, gilt für den Unparteiischen auf dem Spielfeld ebenso, wie für Manager, Führungskräfte oder Projektleiter. Dafür braucht es, genau wie beim Fußball, Autorität, Kompetenz und Erfahrung eine Situation blitzschnell richtig einordnen zu können. Man muss die Regeln sicher beherrschen und über Nervenkraft verfügen.
  • Schiedsrichter müssen ein Gefühl dafür entwickeln, in welcher Phase des Spiels sie sich befinden und welche Rolle sie dabei einnehmen müssen. Können Sie sich darauf beschränken, ein Spiel nur zu begleiten, oder ist es vielmehr eine Phase, in der sie ständig gefordert sind, Entscheidungen zu treffen, um das Spiel zu lenken.
  • Es ist zwar das Los seines Amtes, dass der Schiedsrichter von vielen als notwendiges Übel betrachtet wird. In Wahrheit ist er aber ein wertvoller, ja unverzichtbarer Teil des großen Spiels. Ein Schiedsrichter führt nicht Regie im Sinne eines Filmregisseurs, aber er ist der Regisseur im Sinne der Regeln. Dabei muss er häufig Spannungsfelder frühzeitig erkennen und lösen, bevor es zur Eskalation kommt.
  • In spielentscheidenden Situationen muss ein Schiedsrichter die Tragweite seiner Entscheidungen ausblenden können. Er darf nicht (zu) lange darüber nachdenken, ob er jetzt einen Strafstoß oder eine Gelb-rote Karte gibt. Das würde dazu führen, dass ein Schiedsrichter aus Angst vor Fehlentscheidungen womöglich gar keine Entscheidungen mehr trifft.

Zur Person

Auf den deutschen Fußballplätzen zählte er zu den Besten: Knut Kircher, Bundesliga-Schiedsrichter und ehemaliger Fifa-Referee genießt für seine Leistungen höchstes Ansehen bei Funktionären wie auch bei Spielern. Sein erstes Länderspiel war die WM-Qualifikationspartie zwischen Andorra und Rumänien. Der Höhepunkt seiner Schiedsrichterkarriere war die Leitung des DFB – Pokal – Finales 2008 zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. Aufgrund seiner sportlichen Leistungen wurde Knut Kircher von der Schiedsrichter-Kommission des DFB zum Referee des Jahres 2012 gewählt! Mit dem Ende der Saison 2015/16 erreichte er die vom DFB festgelegte Altersgrenze für Bundesliga-Schiedsrichter.

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