Führung

Der Sprung ins kalte Wasser

Von am 31.05.2021

Ob im Spitzensport, in aufstrebenden Unternehmen oder im Projekt: Erfolg braucht Führungspersönlichkeiten. Die Mitstreiter wollen gewonnen und begeistert werden. Für einen Projektleiter bedeutet das: Er muss einen Plan, aber auch Herz und Leidenschaft mitbringen – und bei seinem ersten Auftritt überzeugend auftreten.

Es ist 8 Uhr. Gespannt wartet Tim K. im Besprechungsraum auf die Mitstreiter seines neuen Projekts. Die Minuten verstreichen, und es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis die Teilnehmer zu dieser ersten Projektsitzung eintrudeln. Tim kann es nicht fassen. Verärgert nimmt er sich den letzten Zuspätkommer vor versammelter Mannschaft zur Brust. „Ich trage hier die Verantwortung“, fährt er ihn an, „und einen solchen Schlendrian werde ich nicht dulden.“

Da er gerade am Reden ist, leitet er von seiner Standpauke direkt in seine Antrittsrede über: Er freue sich, dass er als Projektleiter nun für dieses Projekt zuständig sei. Getreu dem Motto „neue Besen kehren gut“ verkündet er, dass Projekte unter ihm anders laufen werden als so manches frühere Projekt im Unternehmen. „So, und nun lasst uns in die Hände spucken!“ schließt er seinen Vortrag.

Viele Projektleiter unterschätzen die Bedeutung des ersten Eindrucks. Das Team macht sich von seinem Projektleiter in kürzester Zeit ein Bild, das für die folgenden Wochen und Monate prägend sein kann. So dämmert es Tim K. einige Tage nach der ersten Sitzung, dass er den Start vergeigt hat. Sein forsches Auftreten hatte seine Mitarbeiter nicht mitgerissen, sondern – ganz im Gegenteil – vorwiegend Ablehnung hervorgerufen.

Bei seinem ersten Auftritt steht der Projektleiter unter verschärfter Beobachtung. Jetzt entscheidet sich, ob die Teammitglieder seine Führungsrolle akzeptieren und er sie als echte Mitstreiter gewinnen kann.

Mit dem ersten Auftritt die Mitarbeiter gewinnen

Ob der erste Eindruck gelingt, hängt vor allem von Ihrer Antrittsrede als neu berufener Projektleiter ab. Die Gelegenheit dazu bietet sich meist zu Beginn des Kickoff-Workshops. Kommen die Teammitglieder aus unterschiedlichen Fachbereichen, sind sie auf „den Neuen“ oder „die Neue“ gespannt und erwarten nun, dass er oder sie sich vorstellt.

Die Rede sollte zeigen, dass Du Deine Position und vor allem Dein neues Projektteam ernst nimmst. Auch sollte deutlich werden, dass Du gut vorbereitet bist und etwas zu sagen hast. Die Antrittsrede lässt sich durchaus als eine Art Verkaufspräsentation ansehen, in der Du Dich Deinen Mitarbeitern erfolgreich „verkaufen“ und von Anfang an Ihren Führungsanspruch klar machst.

Quelle: "Projekt-Kompass"

Ein gutes Gefühl vermitteln

Versuche mit Deinen Worten ein „gutes Gefühl“ zu schaffen, also die Basis dafür zu legen, dass im Verhältnis zu Deinen Mitarbeitern Vertrauen und Sympathie entstehen. Dabei hilft es, die Perspektive der Mitarbeiter einzunehmen und zu überlegen, welche Fragen sie bewegen (s. Abbildung).

Die Mitarbeiter können zu diesem Zeitpunkt noch nicht einschätzen, was im Projekt auf sie zukommt. Dementsprechend gespannt werden sie den Ausführungen lauschen. Sie möchten herausfinden, wie der neue Projektleiter denkt und handelt und wie er das Projekt leiten wird.

Deshalb solltest Du in Deiner Antrittsrede sowohl auf Deinen beruflichen Werdegang als auch auf Dein Führungsverständnis eingehen. Und noch etwas: Zeige, dass Du Dich auf Deine Aufgabe freust!

Auf die ersten Worte kommt es an

Schon Deine ersten Worte sprechen Bände. Ein „Hallo, Leute!“ wirkt völlig anders als „Liebe Kolleginnen und Kollegen“ oder gar „Meine sehr verehrten Damen und Herren“. Wenn Du es richtig angehst, kannst Du schon mit wenigen Sätzen Deine Mitarbeiter gewinnen, vielleicht sogar für dich begeistern.

Fragt sich nur: Wie? Noch steht Ihr einander fremd gegenüber. Bewährt hat es sich, Gemeinsamkeiten aufzeigen. Gemeinsamkeiten zwischen Menschen mindern anfängliche Distanz und bauen Sympathien auf. Schon indem Du ein Minimum an Gemeinsamkeit herstellst, schaffst Du eine gute Ausgangsbasis. Das ist nicht schwer: Auf fachlicher Ebene lässt sich immer Verbindendes finden. Mehr Charme hat es jedoch, wenn Du auch Gemeinsames jenseits des Fachlichen herausstellst.

Junge Projektleiter fühlen sich bei ihrer Antrittsrede oft unsicher und versuchen, mit aufgesetztem Selbstbewusstsein die eigene Unsicherheit zu überspielen. Warum eigentlich? Über seine Gefühle zu sprechen, macht menschlich und sympathisch. In Deiner Antrittsrede darfst Du gerne durchschimmern lassen, dass Du Dich in Deiner neuen Position erst noch zurechtfinden musst.

Zeige Dich von Deinem besten Licht

Wie gesagt: Bei Deinem Antritt kannst Du Dich der Aufmerksamkeit Deiner Mitarbeiter gewiss sein. Es ist der Augenblick, sich im besten Licht zu zeigen. Jetzt kommt es darauf an, die Mitarbeiter davon zu überzeugen, dass Du für die Rolle des Projektleiters genau der richtige Mann oder die richtige Frau bist.

Hierzu ist es weder erforderlich, Deinen kompletten Lebenslauf darzulegen, noch solltest Du Dein Licht unter den Scheffel stellen. Es genügt, einige Stationen Deiner beruflichen Karriere oder einige spezielle Kenntnisse herauszustellen – umso auch deutlich zu machen, was Du selbst zum Erfolg des Projekts beitragen kannst. Notwendig ist dabei ein gewisses Fingerspitzengefühl, denn Mitarbeiter reagieren empfindlich auf Eigenlob.

Survival-Tipps

  • Beginne Dein Projekt mit einer gelungenen Rede! Zeige damit, dass Du Deine Rolle und vor allem Deine Mitarbeiter ernst nimmst und dass Sie gut vorbereitet sind.
  • Bereite Deine Antrittsrede sorgfältig vor. Du kannst in fünf Minuten Herz und Kopf Deiner Mitarbeiter gewinnen – oder Dich um Kopf und Kragen reden.
  • Schon die ersten Worte wirken wie ein Signal an Deine Mitarbeiter. Achte auf Deine Körpersprache und trete mit sicherem Schritt vor Deine Leute.
  • Besuche am Anfang häufiger Deine Mitarbeiter. Du gewinnst dadurch nicht nur einen guten Eindruck über die Arbeit in Deinem Team, sondern zeigst auch Präsenz.
  • Versuche die Atmosphäre in Deinem neuen Projekt zu erspüren. Finde heraus, ob Deine Mitarbeiter motiviert bei der Sache sind – oder ob sie nur widerwillig mitziehen.